Notizen an sich selbst: Eine kleine Schreibübung für weniger Stress

Kennen Sie das? Sie wachen auf, die Sonne scheint und der Tag scheint gut zu beginnen. Spätestens beim Zähneputzen schleichen sich dann die ersten Sorgen in den Kopf: Schaffe ich es, das Referat auf dem Meeting souverän zu halten? Passe ich eigentlich noch in meine Abendgarderobe, wo doch heute der wichtige Empfang ist? Werde ich den Zuschlag für den Auftrag heute bekommen oder schnappt ihn mir jemand vor der Nase weg? Wird mich die Kollegin wieder mit ihrer lauten Telefonstimme aus der Konzentration bringen oder der Kollege mit seinen gefürchteten blöden Sprüchen aufziehen?

Foto: Andrea Theis

Mit anderen Worten: Wir haben wichtige Dinge vor und beschäftigen uns mit diffusen oder konkreten Befürchtungen, die uns alle Energie rauben. Dabei wollten wir uns doch auf den Erfolg konzentrieren! Scheinbar naheliegend wäre jetzt der Tipp, einfach das negative Denken aus dem Kopf zu verbannen und die Dinge positiv angehen zu lassen. So einfach ist es aber nicht. Gedanken lassen sich nicht „per Knopf  so vertreiben.

Ich habe eine Methode entwickelt, wie ich Herrin über mein Stresslevel und über meine seelische Verfassung werde: Ich schreibe mir selbst. Es ist eine ganz leichte praktische Übung direkt aus der Praxis und kostet kaum Zeit. In wenigen Minuten am Morgen und Abend dampfen Sie lästige Befürchtungen auf ihre richtige Größe herunter und erleben echte Entspannung. Versuchen Sie es doch einmal für eine Woche und ziehen Sie dann Bilanz.

Schon beim Aufschreiben weicht das Unbehagen

Wie funktioniert es? Ganz einfach: Setzen Sie sich morgens kurz hin und machen Sie so etwas wie eine Kühlschranknotiz an das eigene Ich, das in etwa 12 Stunden nach Hause kommt. Beantworten Sie zum Beispiel folgende Fragen:

  • Was bereitet mir heute Sorgen?
  • Was könnte heute Unangenehmes passieren?
  • Wovor habe ich heute Angst?
  • Was setzt mich heute unter Druck, lässt mich angespannt sein?

Schreiben Sie Ihre Gedanken in ein Notizbuch, das Sie anschließend zuklappen. Oder in eine Datei, die Sie direkt danach schließen. Sie werden merken: Allein durch das Aufschreiben mildern sich schon viele der alltäglichen Sorgen. Denn Sie haben Sie in gewisser Hinsicht behandelt und Ihren Kopf zumindest teilweise befreit. Möglicherweise kommen Ihnen auch schon die ersten Gegenargumente in den Sinn: Das Referat zum Beispiel haben Sie doch schließlich gründlich vorbereitet und die Inhalte sind anregend und wichtig!

Unsere Psyche funktioniert tatsächlich so: Sobald Sie etwas aus dem Kopf auf Papier übertragen, ändert es seine Beschaffenheit. Es ist nun eine Information von außen und kann entsprechend aufgenommen und kritisch analysiert werden. Jetzt starten Sie in den Tag – raus aus dem Haus und los!

So schlimm war es oft gar nicht

Abends dann kommt der zweite Teil der Übung: Sie öffnen Ihre Nachricht an sich selbst und antworten in wenigen ruhigen Minuten auf Ihre Notiz vom Morgen. Schriftlich natürlich. Dabei helfen Fragen wie:

  • Ist es so gekommen, wie ich befürchtet habe?
  • War es wirklich so schlimm?
  • Habe ich hilflos dagestanden oder etwas unternommen?
  • Weiß ich fürs nächste Mal, wie ich damit umgehe?

Auch diese Antworten helfen Ihnen bei der Bewältigung, denn Sie setzen sich intensiv mit dem Thema auseinander. Und zum Schluss, ganz wichtig, notieren Sie:

  • Was war heute schön?
  • Wofür bin ich heute dankbar?
  • Worüber habe ich mich heute gefreut?
  • Wer hat mir geholfen oder mich unterstützt?

Foto: Andrea Theis

Ich selbst mache diese Übung immer mal wieder – in Zeiten, wo ich mich mit Neuem konfrontiert sehe, in Zeiten, wo die Auftragslage wackelt, in Zeiten, wo ich mit mir selbst sehr, sehr kritisch bin. Nach ein paar Tagen schon fühle ich mich entspannter, sehe die Dinge realistischer (selbst ein vermasselter Workshop ist kein Weltuntergang – aber meistens läuft es ohnehin viel besser, als man befürchtet).

Falls Sie die „Challenge“ annehmen – ich freue mich auf Feedback wie es Ihnen ergangen ist.