Was bitte ist eine verpfuschte Hinrichtung?

Die Deutsche Welle (und mit ihr sinngemäß viele Medien) sah das diese Woche so: „Noch etwa eine Stunde nach der Injektion der tödlichen Giftspritze habe der 55 Jahre alte Joseph Wood geschnaubt und nach Luft geschnappt, schrieben seine Verteidiger in einem Eilantrag an ein Gericht, um die Hinrichtung zu stoppen. Wood sei erst rund zwei Stunden, nachdem ihm der Gift-Cocktail verabreicht wurde gestorben, sagte der Verteidiger des Hingerichteten, Dale Braich. Arizona scheint offenbar nun zu den Bundesstaaten zu gehören, die für ein vollständig vermeidbares Gräuel verantwortlich sind – eine verpfuschte Hinrichtung.“

Joseph Wood wurde am 23. Juli 2014 in Arizona hingerichtet, er war wegen des Mordes an seiner Ex-Freundin und ihrem Vater 1991 verurteilt worden.


Ist die EU schuld?
Seit Ende 2011 hat die EU die Ausfuhr des Giftes Thiopental-Natrium an die USA gestoppt, um nicht an Hinrichtungen mitzuwirken. In der Logik der Berichterstattung war bis dahin eine verpfuschte Hinrichtung in den USA seit Einführung der Giftspritze nicht möglich: Der tödliche Giftcocktail enthielt drei Komponenten. Zuerst floss Thiopental-Natrium, das den Atem lähmt, in tödlicher Dosis, dann Pancuronium Bromide welches die Muskeln entspannt und schließlich Potassium Chloride welches den Herzschlag stoppt. Seitdem es Mangel an Thiopental gibt, experimentieren die USA in Sachen Hinrichtung durch Giftspritze.


Was ist eine gelungene Hinrichtung?

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Die Gräber Hingerichteter in Huntsville, Texas (Foto: Sina Vogt)


Ich habe am November 2008 der Hinrichtung von Robert Hudson in Huntsville, Texas, als Zeugin beigewohnt. Diese Hinrichtung war im oben gemeinten Sinn gelungen. Er hatte keine sichtbaren Schmerzen und war innerhalb von zehn Minuten tot. Wen es interessiert, hier finden Sie einen Bericht über diese Hinrichtung: http://www.sinavogt.eu/hinrichtung.html
Also wohl eine gelungene Hinrichtung. Aber ich will nicht zynisch sein, ich wünsche mir nur, dass Journalistinnen und Journalisten sensibler mit der Sprache umgingen. Es gibt keine verpfuschte Hinrichtung, ist der oder die Verurteilte nur tot! Es gibt nur Hinrichtungen wo die Verurteilten mehr und länger Schmerzen ereilen. Verpfuscht wäre eine Hinrichtung nur, würde der oder die Verurteilte sie überleben, denn dann hätte sie ihr Ziel verfehlt.
Was in den USA nach Wiedereinführung der Todesstrafe 1976 (nach einem vierjährigen Moratorium) nie passiert ist. Es gab nur misslungene Selbsttötungen vor Hinrichtungen: So versuchte Lawrence Reynolds 2010 in Ohio, sich vor seiner Hinrichtung umzubringen. Wärter und medizinisches Personal retteten sein Leben, die Hinrichtung wurde verschoben und eine Woche später vollzogen.


Die nächsten Hinrichtungen sind geplant
Heute, 26. Juli 2014, sind in den USA weitere Hinrichtungen angesetzt: 19 noch in diesem Jahr, 20 in 2015 und schon mal zwei in 2016.
Am 17. September 2014 soll in Texas Lisa Coleman hingerichtet werden. Sie wurde 2006 verurteilt, mit ihrer Lebensgefährtin deren neunjährigen Sohn durch Vernachlässigung, Misshandlung und Gewalt ermordet zu haben. Ihre Lebensgefährtin bekam, als Kronzeugin der Anklage, lebenslänglich. Ich schreibe Lisa Coleman seit 2006, habe sie 2011 besucht. Sollte ihre Hinrichtung am 17. September 2014 durchgeführt werden und Lisa Coleman ohne Zuckungen schnell in den Tod hinüberdämmern nachdem sie vergiftet wurde – werden dann die deutschen Medien berichten: Gelungene Hinrichtung ohne Pfusch?

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